Livescribe Echo Smartpen im Test

Livescribe Echo SmartpenSeit einigen Wochen konnte ich den Livescribe Echo Smartpen in der 8GB Version testen und möchte euch nun meine Erfahrungen mitteilen. Doch zunächst mal, was ist überhaupt ein Smartpen? Dieses Gadget ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Art „intelligenter Stift“. Der Smartpen speichert alle eure Aufzeichnungen/Mitschriften und auf Wunsch auch alles, was nebenher gesprochen wird, digital ab.

Die Audioaufnahmen werden dabei mit dem geschriebenen Text verknüpft, was sehr nützlich sein kann – dazu aber später mehr. Die Aufzeichnungen lassen sich dann am Rechner einsehen, durchsuchen, in herkömmliche Textdokumente umwandeln (durch ein kostenpflichtiges Tool), oder weiter verschicken. Dazu wird der Smartpen über den Mini-USB Anschluss am Ende an den PC angeschlossen und die Datenübermittlung per Livescribe Desktop Software gestartet.

Der Livescribe Echo Smartpen
Der Echo Smartpen ist der Nachfolger des Pulse Modells und ist mit einem Kunststoffgehäuse ausgestattet. Dadurch liegt er recht gut in der Hand, kommt aber natürlich aufgrund seiner Bauweise und seiner Größe nicht an das bequeme Schreibgefühl eines guten bis sehr guten Kugelschreibers heran. Stundenlange Aufzeichnungen können daher schneller zu Ermüdungen führen. Durch das neue Gehäuse aus Kunststoff und die Gummierung an der Fingerauflage soll der Echo Smartpen allerdings besser in der Hand liegen als sein Vorgänger. Da ich den Pulse nie besaß oder getestet habe, kann ich das jedoch weder bestätigen noch dementieren. 😉

Echo Smartpen im Größenvergleich

Echo Smartpen im Größenvergleich

Alle technischen Daten des Echo Smartpen könnt ihr euch auf der Herstellerseite anschauen.

Wie funktioniert das Ganze?
In der Spitze des Stiftes steckt eine kleine Infrarotkamera, die alles, was ihr auf einem speziell dafür entwickelten Papier schreibt, aufnimmt. Nun sind wir auch direkt beim größten Nachteil: Ihr benötigt spezielles Papier für eure Aufzeichnungen. Vier Livescribe DIN A4 Notizblöcke schlagen dabei mit 22€ zu Buche, was leider deutlich teurer ist als herkömmliche Notizblöcke. Ihr könnt euch das Livescribe Papier zwar auch am PC ausdrucken, aber ob man damit günstiger fährt?! Immerhin: Ein DIN A5 Block ist im Lieferumfang enthalten.

Die Audio-Aufnahme
Außerdem verfügt der Echo Smartpen über 8GB internen Speicher, ein Display, einen Lautsprecher und ein eingebautes Mikrofon. Mit diesem lassen sich beispielsweise Vorlesungen oder Besprechungen aufzeichnen. Beim 8GB Modell sollen laut Hersteller bis zu 800 Std Audio aufgezeichnet werden können, in der höchsten Qualitätsstufe wird dieser Wert wohl nicht ganz erreicht werden. Testen konnte ich die maximale Aufnahmedauer allerdings nicht. Zum Mikrofon: Für ein Besprechungszimmer sollte das eingebaute Mikrofon ausreichend sein, wer jedoch wie ich in einem großen und vollbesetzten Hörsaal einen Vortrag aufnehmen möchte, sollte sich ein externes Headset zulegen, welches ich ebenfalls testen konnte. Dieses wird am Stift angeschlossen und sorgt für eine deutlich bessere Aufnahmequalität. Außerdem könnt ihr so einzelne Textpassagen direkt anhören, ohne eure Nachbarn zu stören. Es kann jedes Headset mit Standard-Klinkenstecker verwendet werden.

Wie bereits erwähnt, wird die Audio-Aufnahme mit dem geschriebenen Text verknüpft. D.h. solltet ihr später nochmal das an einer speziellen Stelle Gesprochene anhören wollen, müsst ihr nur mit dem Stift auf den Text tippen und schon wird die Aufnahme an dieser Stelle abgespielt. Dies ist z.B. sehr praktisch wenn euch im Nachhinein beim Durchlesen noch etwas unklar ist und ihr euch die Ausführungen des Vortragenden nochmal anhören wollt.

Im Folgenden ein kurzes Smartpen Testvideo von golem.de:

Eine kleine Anmerkung: Das Navigationskreuz kann an jeder beliebigen Stelle einfach selbst gezeichnet werden – zwei Striche reichen aus. Dies ist somit kein Kritikpunkt.

Die Livescribe Desktop Software
Für die Übertragung der Mitschriften und Aufzeichnungen auf den Rechner kommt die Livescribe Desktop Software zum Einsatz. Sie ist für PC und Mac erhältlich und erlaubt das Durchsuchen der Texte nach bestimmten Begriffen (dazu sollte die Handschrift einigermaßen leserlich sein), das Anhören der Audiodateien oder das Umwandeln der Texte z.B. in PDF-Dateien oder Bilder um sie für Freunde und Kollegen bereitstellen zu können. Mit dem Tool MyScript for Livescribe lassen sich die handschriftlichen Texte auch in herkömmliche Textdokumente umwandeln. Dieses ist in einer 30-Tage Testversion erhältlich und kostet anschließend einmalig 29,95US$.

Seit kurzem lassen sich auch direkt aus der Desktop Software die Daten auf einen Evernote Account hochladen, wodurch die eigenen Aufzeichnungen dann online, über mobile Endgeräte, sowie über andere Computer und Notebooks abgerufen werden können.

Desweiteren ist eine Umwandlung in so genannte Pencasts möglich: In diesen sind neben dem Text auch die Audiodateien enthalten und werden passend zur Mitschrift abgespielt. Der Empfänger kann somit exakt mitverfolgen was wann geschrieben und gesprochen wurde – genau so als wäre er selbst dabei gewesen. Mittlerweile steht sogar eine kostenlose Pencast Player App für iPhone, iPad und iPod touch zur Verfügung, die es euch erlaubt die Pencasts auch unterwegs auf eurem iDevice abzuspielen. Außerdem werden Firmware-Updates oder neue Apps auf dem Smartpen über die Desktop Software installiert.

Der Smartpen App Store
Die eigentliche Neuerung ist der Smartpen App Store. Unter livescribe.com/store stehen mittlerweile etliche Apps zur Installation auf dem Smartpen bereit. Leider sind die guten/nützlichen Apps meist kostenpflichtig und bislang nur in englischer Sprache verfügbar. Ich habe u.a. ein kleines Übersetzungstool getestet, welches zwar einwandfrei die geschriebenen Wörter erkannt hat und in Spanisch, Chinesisch, etc. übersetzen konnte, allerdings musste man dafür die englischen Begriffe schreiben – wollte man „hallo“ oder „guten Morgen“ übersetzen, musste also „hello“ bzw. „good morning“ auf dem Block stehen.

Im App Store gilt es also noch einiges zu verbessern und vor allem fehlen die deutschsprachigen Apps. Allerdings steckt darin auch ein sehr großes Potential und ich kann mir etliche hilfreiche Anwendungen wie das genannte Übersetzungstool, oder eine App, die beispielsweise Namen von Schauspielern erkennt und dazu dann ein paar Infos aus der IMDB auf dem Display anzeigt, vorstellen.

Fazit
Der Livescribe Echo Smartpen kann ein sehr hilfreiches Gadget sein. Gerade wer oft in Vorlesungen oder Besprechungen sitzt, oder Interviews führen und entsprechende Aufzeichnungen anfertigen muss, wird mit dem Smartpen sehr gut zu Recht kommen. Allerdings wird der Preis von 199€ und das speziell dafür notwendige Papier die meisten abschrecken und nicht für eine weite Verbreitung sorgen. Wer sich den Stift trotzdem anschafft und auf die eigentlichen Grundfunktionen baut, wird nicht enttäuscht. Der Smartpen zeichnet alles auf und das kann er sehr gut. Im App Store liegt dagegen noch viel ungenutztes Potential, dieser könnte in Zukunft aber sehr interessant werden und hilfreiche Apps bieten.

  • Havel

    Zwei Anmerkungen: 1. Man kann sich das Smartpen-Papier auch selbst ausdrucken – es muss also nicht 22 Euro kosten. Und 2.: für Studenten/Schüler etc gibt es die MyScribe Software kostenlos, wenn man den 2 GB Smartpen kauft (http://www.cotec.de/livescribe-smartpen.html). Der kostet übrigens da nur knapp 100 Euro. Sonst – super Review, danke!

    Liebe Grüße, Havel